21 Dezember 2005

Pedal to the Metal!

Keine Frage: "Need for Speed: Most Wanted" ist style over substance in Reinkultur. Ein purer Arcade-Racer mit einer Fahrphysik, die einen unwillkürlich an das Unternehmen des Herrn Mehdorn denken lässt. Und mit einer dreist betrügenden KI, die auf den letzten Metern eines Rundkurses scheinbar in den Hyperraum eintritt, um den Spieler mit einem Affenzahn doch noch zu überholen. Die Tatsache, das der Spieler das Rennen zu 90% dominiert hat... das besagte KI-Karre zuvor spektakulär eine intimere Beziehung mit einem Holztransporter / einer Wand / dem Gegenverkehr eingegangen ist und deswegen gigantisch zurückliegt... das ist alles egal. Denn KI-Chewie hat den Hydroschraubenschlüssel gefunden und das jump-drive wieder flottgemacht. Verdammt! Die Aussenseite meiner rechten Hand hat in letzter Zeit wieder gelitten. Wegen des auf-den-Tisch-faustens. Bis ich gemerkt habe, das jenes ständig verkackte Rennen mit einem anderen Fahrzeug aus meinem Fuhrpark plötzlich ganz geschmeidig zu gewinnen war. Obwohl die sich Leistungsmässig nicht viel geben. Logik anyone?

Obwohl... Logik? Egal. Hier gehts um Schauwerte. Um prollige, laute Musik. Um schnelle Autos. Um Benzin im Blut. Um Angeberei mit bedauernswerten Bodykits. "Pimp my Ride" guck ich doch auch immer. Und das Herumzeigen der kleinen Kunstwerke *räusper* ist Teil des Spiels. Siehe diese Fotos hier...

Aber dann sind da wieder diese 90-Grad-Kurven, die die Rennstrecken heimsuchen. Frech und den tieffliegenden Fahrer leise verhöhnend pappen sie am Ende einer Hochgeschwindigkeitsgeraden und zwingen einen entweder hektisch von über 300 Sachen herunterzubremsen und die Mühle sprichwörtlich um die Kurve zu tragen ... oder die Panzer-Physik wieder zu einem dieser Crash-Fullstop-Nitro-Abbiegevorgänge zu überreden. Albern ist irgendwie beides. Ich vermute, erstere Vorgehensweise ist von den Entwicklern so gemeint gewesen. Um fahrerisches Können zu provozieren und so die Spreu vom Weizen zu trennen, vielleicht? Wohl dem, der entweder die Nitros oder die Bremsen aufgewertet hat. Oder besser beides. Auswendiglernen der Route inklusive. Die tiefgehende Befriedigung einer perfekten Runde beim ersten Anlauf (weil mans einfach drauf hat, Baby) bleibt einem bei dieser Art der Gleis... Verzeihung... Streckenführung jedenfalls erspart. Das Gefühl würde ja auch sonst zu sehr von der Story ablenken, die der Titel überflüssigerweise mit sich bringt.

Apropos "Auswendiglernen": siehe die Drag-Races. Auch nachzuschlagen unter "Witz, schlechter".

Auf der anderen Seite: das ist genau, was ich wollte. Keine lange Einarbeit in diverse Fahrzeugtypen und deren Eigenheiten. Vollkommen übertriebenes Aufpimpen, das mir im echten Leben todespeinlich wäre. Look at these rims, man! Moderne Männermusik. Endgeile Polizeiverfolgungsjagden. Geschwindigkeitsrausch. Das Röhren von Motoren. Den Geruch von verbra... na, ich übertreibe.

Alles in Allem weckt dieses Spiel Dinge in mir, die auch von Grillwürsten, Bierkästen und Werkzeugen geweckt werden. (*grunz* *grunz* *grunz*)

Cheatende K.I. hin, repetitives Gameplay her: wenn ich vor dem Bildschirm automatisch den Kopf zur Seite lege, weil ich durch eine Kurve düse, dann bin ich glücklich. "Most Wanted" schafft das. Und so betrachtet ist mein Gemeckere doch nur kleinlich.

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