26 März 2006

Nanostray

Waren das noch Zeiten! Damals, als die pöhsen Gegner immer aus der einen Bildschirmkante herausschlüpften und vom an der gegenüberliegenden Bildschirmkante lauernden Spielermobil abgeschossen wurden. Das war - will man den Berichten von Veteranen glauben schenken - häufig verbunden mit Otaku-artigem Festbeissen, repetitive strain injury und Kleingeldmangel.

Was sind das doch noch für Zeiten! DAS klassische Spielhallengenre ist heute noch lange nicht augestorben und immer wieder in verschiedenen Reinkarnationen gemütlich auf der heimischen Couch zockbar. Das ist häufig verbunden mit einem (um das mal positiv auszudrücken) Flow-Erlebnis, Tennisdaumen, mangelnder Nahrungsmittelaufnahme sowie suboptimalem Sozialleben.

Das minimalistische, suchterzeugende Spielprinzip ist wie für Handhelds gemacht. Das ist ebenfalls keine große Neuigkeit mehr - der Nerd an sich kann die Welt schon länger vom Klo aus retten. Seit Kurzem ist der geneigte Zocker in der Lage, dies auch unter Zuhilfenahme von Nintendos aktuellem Handheld-Streich zu tun. Gestatten: Nanostray ist der Name. Nanostray vereint mehrere positive Tugenden in sich. Man lernt ganz klassisch auswendig - Gegnerstärken, Angriffsmuster, Feuersequenzen, Levelbosse. Auf der Jagd nach dem Highscore im sogenannten Arcade-Modus. Denn der Storymodus ist flott durchgespielt (zumindest auf dem euphemistisch als "normal" bezeichneten Looser-Schwierigkeitsgrad) und ebenso flott hat man auch alles gesehen.
Der Arcade-Modus dagegen existiert nur zu einem einzigen Zweck: Schwanzvergleich. Und zwar nicht beschränkt auf die Stamm-Zockhöhle oder die eigene Memcard, sondern das Internet. Auf nanostray.com legt der Wettkämpfer sich einen Account an und kann die Welt fortan durch Eingabe der vom Spiel generierten Nanocodes von seinen Skills unterrichten. Sofern die Welt daran interessiert ist. In meinem Fall glaube ich das weniger. Ich gehe in der Masse unter und habe Albträume von Freaks ohne Privatleben, dafür aber mit über 580.000 Punkten im "Mitsurin Jungle". Für meinen Teil sehe ich schon länger das Ende der Fahnenstange. Wo soll ich denn da bitte noch mehr Punkte herholen als meine 313.977?
Prompt steht mein Vorwurf schon zwischen den Zeilen: Langzeitmotivation. Der Arcade-Modus ist wie erwähnt schnell durchgerockt. Die höheren Schwierigkeitsgrade für diesen verstauben bei mir, weil ich mich genauso gut im Highscore-Modus verschleissen kann. Dann sind da noch die Herausforderungen. "Schaffe 350.000 Punkte." "Du hast nur ein Schiff zur Verfügung." "Du hast keine Power-Waffen zur Verfügung." Die Belohnung für die Bewältigung dieser bockeschweren Aufgaben? Screenshots. Konzeptzeichnungen. Musik. Kann man sich dann in einem Viewer anschauen. Tolle Wurst.

Kurzes Fazit in Stichworten: tolle Grafik, guter Sound, spitze Spielfluss und damit Spass, magerer Umfang (8 Level), hoher Schwierigkeitsgrad (siehe Umfang). Ach ja: das Tatsch-Pad. Die Waffen werden in der Hitze des Gefechts auf dem unteren Screen umgeschaltet. Das ist fummlige Glückssache und macht nach der Session eine gründliche Reinigung erforderlich.

Schade. Nanostray ist im Grunde ein Knaller. Ich stehe zwar auf Festbeissen und immer-wieder-probieren, bin aber kein 1337 n1nj4 und habe weder Zeit noch richtige Lust, jeden einzelnen der 8 Levels Pixel für Pixel zu memorieren. Zumal mein Kampfgeist durch die erwähnte internationale Highscore-Tabelle schon von Vorneherein gebrochen ist. Manchmal ist es wohl doch besser, naiv für sich allein den Punktestand auf der Memorycard zu bewundern und den Schmerz samt der harten Realität einfach zu ignorieren... So werde ich Nanostray auch weiterspielen. Als nette Ballerentspannung für Zwischendurch.

1 Comments:

Blogger fafu said...

Wenn du auf festbeissen und immer wieder probieren stehst und shmups auch mal im Wohnzimmer ne Chance geben willst, kann ich dir gerne mal Ikaruga ausleihen.

Da gibts sogar auch nen Scoreboard und ein Video, wie es aussieht, wenn man sich wirklich festgebissen hat...

3/27/2006 9:28 vorm.  

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