19 Mai 2006

Tagebuch einer Turmfrisur 4

Liebes Tagebuch,

ich habe mich nun geraume Zeit nicht gemeldet. Aber ich hatte doch auch soviel zu tun! Ich musste Kopf der Diebesgilde werden, den Titel des Großmeisters in der Arena von Imperial City erstreiten (man nennt mich jetzt den "Messenger of Death". WOOHA!), die Stadt mit dem genauso sinnlosen wie fröhlichkeitserzeugenden Namen Kvatch von Monstern aus der Twili... äh Oblivion befreien, einer humorlosen Bruderschaft beitreten, die so gar nichts mit Kegel- und Sauftouren am Hut hat, dafür aber tolle Uniformen mit Kapuzen trägt, ein Schloss nach einem geklauten Bild durchsuchen und so weiter und so fort.
Cydrodiil ist voll von Leuten, die scheinbar den ganzen Tag nichts anderes tun, als in der Gegend rumzustehen und auf zufällig vorbeilaufende Abenteurer zu warten. Sobald auch nur ein harmlos herumreisendes Individuum eine Ahnung von Mut ausstrahlt, wird es sofort von der Seite angequatscht. Gar nicht groß vorstellen oder mit Höflichkeitsfloskeln aufhalten, man hat ja lange genug gewartet. Direkt zur Sache kommen. Gleich mal dem völlig unbekannten Streuner mit der Mithril-Rüstung und dem Zweihandschwert auf dem Rücken gänzlich angstlos eine Quest an die Backe labern. Solche Leute hab ich gern. Ne, echt. Denn es winken Belohnungen, Ruhm, Ehre und vielleicht nette Items. Und in diesem Land scheint echter Mangel an Abenteurern zu herrschen.
Den Göttern sei Dank habe ich von Anfang an fein säuberlich Buch über die verschiedenen offenen Quests und deren Entwicklung geführt, sonst hätte ich total auf dem Schlauch gestanden. Meine Notizen waren so detailliert, dass ich meistens ganz exakt wusste, wo ich die nächste Teilaufgabe zu erledigen hatte. Wobei mir das etwas unheimlich vorkam, denn teilweise konnte ich eigentlich gar nicht genau wissen, wo sich questrelevante Personen aufhalten. Die latschen ja den lieben langen Tag in der Gegend rum. Aber wie von Magie gesteuert, habe ich sie immer auf Anhieb gefunden - fast so als ob mich ein unsichtbarer Faden mit ihnen verbindet oder ein Pfeil hinzeigt. Sehr merkwürdig. Vielleicht bin ich ja auch ein Gott oder so? Mal die Priester fragen...
Jedenfalls sind die Aufgaben - oder vielmehr die damit zusammenhängenden Geschichten - abwechslungsreich und in Einzelfällen sogar überraschend, weil nicht vorhersehbar. Allerdings... dieser paranoide Irre in Skingrad - der war etwas zu unberechenbar...

Wie ihr auf meinem Bild sicherlich erkennt, sah ich in letzter Zeit nicht so richtig frisch aus. Ich könnte sagen, dass ich gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe war, aber das wäre gelogen. Zumindest zum Teil. Immerhin war ich stärker und schneller als vorher und konnte im Dunkeln sehen. Gut, als Nachteil konnte ich mir das Reisen bei Tageslicht verkneifen. Zumindest, wenn ich längere Zeit kein Blut getrunken hab. Ja.
Ja, genau.
Blut.
Getrunken.
Ich.
Da war nämlich diese Nummer mit dem Vampirismus. Das war am Anfang ganz witzig und bei ein paar Quests der oben erwähnten Gruppierung mit den tollen Uniformen sogar ziemlich nützlich - nämlich, wenn ich mal wieder unentdeckt an patroullierenden Wachen vorbeischleichen musste. Später wars aber nervig, immer die Nacht abzuwarten um entweder zu reisen oder schlafende Leute anzuknabbern. Und dann erst die Passanten, die einen tagsüber fragen, ob ich mich nicht wohl fühle. Mich wohl fühlen! Wenn meine Haut rot wird und ich aus dem Kragen qualme! Die erwähnte Sache mit der Sonne. Die frohe Kunde ist: es gibt Heilung. So ein Kräuterhexchen in einer Hütte mitten im Wald hat aus einer Reihe Zutaten, die ich ihr besorgen musste, ein Gegenmittel gezaubert. Da fragt man sich doch, wieso die Vampirjäger hierzulande die Vampire sofort wegholzen, anstatt sie zu fangen und ihnen das Heilmittel einzuflössen, damit diese anschliessend wieder zu vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft werden. Sozusagen Vampir-Rehabilitation. Muss wohl mit der Kultur zusammenhängen. Oder sie hatten eine schwere Kindheit.

Die Jäger.

Nicht die Vampire.

Oder vielleicht auch die. Je nachdem, wann sie zum Blutsauger wurden. Aber das führt jetzt zu weit...

"Weit" ist eine gute Überleitung, denn ich muss dann mal weiter. Über all die größeren und kleineren Quests habe ich nämlich total vergessen, dass die letzte verbleibende Autorität in diesem Lande auch noch eine wichtige Aufgabe für mich hatte.

Man sieht sich (jetzt auch wieder bei Tageslicht!),
Aker

3 Comments:

Blogger PlayStar Rocker said...

Schönes Tagebuch, doofes* Spiel.

*Kann Rollenspiele zur Zeit nicht leiden.

5/19/2006 10:59 nachm.  
Blogger grobi said...

Vielen Dank! Lob hört man doch immer gern.

"Oblivion" kann man durchaus heftig kritisieren und doof finden. Aber was haben dir denn Rollenspiele an sich getan?

5/20/2006 1:45 nachm.  
Blogger PlayStar Rocker said...

Ach, eigentlich nichts. Nur die ganzen Rollenspiel- und Fantasy-Freaks und WoW-Opfer (besonders die!) in meinen Umfeld haben dafür gesorgt, dass ich auf dieses Videospiel-Genre momentan leicht allergisch reagiere. Schade, denn Zelda 3 will doch noch durchgespielt werden.

5/20/2006 6:57 nachm.  

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