07 Oktober 2006

Company of Heroes - Demo

Ich möchte euch heute eine Geschichte erzählen. Versammelt euch also hier auf dem Teppich vor meinem Ohrensessel, geniesst das prasselnde Kaminfeuer, nehmt euch eine Tasse Tee und lauscht meinen Ausführungen. Diese Geschichte handelt von einem Genre namens Echtzeitstrategie.

Echtzeitstrategie. Mein letztes durchgespieltes RTS müsste "Warcraft 2" gewesen sein. Selbst das eigentlich großartige "Starcraft" konnte mich nicht motivieren. Irgendwie setzte sich langsam die Erkenntnis durch, das ich für dieses Genre nicht gemacht bin. Unterm Strich galt: diese Stadt war nicht groß genug für Echtzeitstrategie und mich und per richterlicher Verfügung musste sie fortan mehrere 100 Meter Abstand zu meiner Person halten. Dann und wann habe ich selbst gegen diese Regel verstossen, etwa als ich "Panzers" mit seiner schönen Faller-Modellbauwelt eine Chance gegeben habe. Das waren aber nur kurze Affären, die wohl hauptsächlich durch das Verbot interessant wurden. Das Feuer war jedes Mal schnell wieder erloschen. Ich sähe es gerne, wenn es anders wäre (daher die regelmässigen Versuche), aber Echtzeitstrategie und ich - wir mögen uns nicht. Trotzdem mussten meine Allmachtsbedürfnisse befriedigt werden, denn ich wollte nicht darauf verzichten, kämpfende Truppen mit dem Mauszeiger auf Schlachtfeldern herumzuschubsen. Daher bin ich mit Rundenstrategie schon immer gerne mal 'n Bier trinken gegangen, lange Zeit war das aber eher eine Durststrecke. (Ha! Pun intended.) Kneipen wie "Battle Isle" oder "Jagged Alliance" wurden halt nicht mehr gebaut. Lange Zeit gab es nur noch eine von diesen Traditions-Kaschemmen - unter Eingeweihten nennt man sie "Civ" - die alle paar Jahre runderneuert wurde, aber immer eine feste Größe in diesem Geschäft war. In letzter Zeit sind aber wieder ein paar Hipster auf den Retro-Trip gekommen und erfreuen die Einer-nach-dem-Anderen-Junkies mit jungen, frischen Örtlichkeiten wie "Advance Wars".

Aber ich schweife schon ab, bevor ich überhaupt richtig angefangen habe. Es trug sich nun also in einem fremden Land namens Nerdistan zu, daß eine neue Demo an König Grobis Pforte klopfte und Einlaß begehrte mit dem Ziel, dem Herrscher zum Erwerb des beworbenen Produktes zu bewegen und ihm so viele Stunden der Freude und des Spielspaßes zu bescheren. Des Königs Torwächter aber war sich bewusst darüber, daß er nicht jeden dahergelaufenen Deppen in sein Schloß lassen sollte und unterzog jeden Anwärter einer pedantischen Befragung. Dummerweise war der reguläre Torwächter gerade im Urlaub und dessen Vertretung kannte sich mit den eigenartigen Vorlieben und Abneigungen seiner Majestät nicht aus. So entfaltete sich in seinem kleinen Erbsenhirn folgender Gedankengang:

"Genre: Echtzeitstrategie. Hm, mag doch eigentlich jeder. Check.
Szenario: Zweiter Weltkrieg. Hatten wir bisher viel zu selten. Check.
Demogröße: Eine handliche und mundgerechte Portion von eins Komma sieben Gig. Check.
Nun denn, ich lasse ihn passieren. Und nein, ich brauche seinen Ausweis nicht zu sehen."

Nachdem sich der übergewichtige Brocken durch die engen Wendeltreppen bis in des Monarchen Gemächer gezwängt hatte, sprach dieser:
"Lasst mich raten: Normandie? Na super. Da ihr nun aber schon hier seid, kann ich euch auch mal genauer unter die Lupe nehmen. Nochmal in Nordfrankreich zu landen ist tatsächlich nicht so langweilig wie beispielsweise...

Ääh, ja. Möge er sich installieren, bitte."

Und er spielte.

Er spielte das Tutorial, er spielte die beiden Demo-Missionen und staunte über die dramatische Missionsgestaltung. Er spielte zum Schluß sogar einmal den Skirmish-Modus, prügelte sich mit dem Computergegner um Victory-Points und fühlte sich dabei ziemlich an "Z" erinnert. Kurz: er spielte die Demoversion äusserst gründlich. Und der König war beglückt über die gelungene Einheiten-Steuerung, lediglich der Menüleiste am unteren Rand mangelte es dann und wann an einem Hauch von Zugänglichkeit. Insbesondere, was das Design und den Wiedererkennungswert einiger Buttons anging. Im Großen und Ganzen aber blickte der spielende König zufrieden nickend auf ein sehr, sehr gutes Interface. Er erkannte dank des guten grafischen Feedbacks sofort den Wert einer ausgewählten Deckung - eines Kern-Konzepts des "Company"-Gameplays - und freute sich über Truppen mit halbwegs Grips im Kopf und deren verdammt schönen Animationen. Er genoß das Schadensmodell und die fein dargestellte Zerstörung der Panzer, ärgerte sich allerdings über deren fehlenden Rückwärtsgang und war gleichzeitig belustigt und genervt wenn er mal wieder versuchte, in eine saubere Schußposition auf die Rückseite eines Feindpanzers zu kommen. Insbesondere, wenn eigene "Tanks" im Spiel waren sah das immer ein bißchen aus wie eine Art sehr plumpes Elefanten-Ballett. Vor allem im Kontrast zu solchen sinnvollen Dingen wie Feuerbereichen und toten Winkeln, die man zum Beispiel beim Angriff auf feindliche bzw. Aufbau von eigenen MG-Nestern beachten muss, kam ihm das etwas lächerlich vor.
Großartig erschien ihm auch die audiovisuelle Kulisse. Für ein Strategiespiel bietet "Company of Heroes" sehr detailreiche Grafik und zusammen mit qualitativ sehr hochwertigem Sound kann der Hobbygeneral nach der bescheidenen Meinung des Königs die befriedigensten Artillerieschläge der Computerspielegeschichte genießen. Wunderschön - auf die sehr krude "Schieß den Fenster!"-Art - fand er auch die Sprachsamples, die "ze Germans" gelegentlich absonderten. Definitiv ein Grund, Geld in die Originalversion zu investieren.

Der König sah, daß das Spiel sehr gut war - für einen RTS-Titel. Aber beschloss, trotz all der Vorzüge, die Investition nicht zu tätigen. Denn sein größtes Problem mit der Demo war eben, daß es sich um Echtzeitstrategie handelte. Das Interface, das ihm durch die Echtzeit bedingtes hektisches Einheitengesuche, -geklicke und -verschiebe erleichterte, musste erst noch erfunden werden. Der immer gleiche Basisaufbau und die sich ewig wiederholende Verbesserung der Einheiten-Gadgets ödete ihn schon seit Warcraft an. Selbst wenn die zu spielende Map mit einer fertigen Basis aufwartete, verzettelte er sich immer und immer bei der Steuerung der Fronteinheiten und der Produktion des Nachschubs. Selbiges bei der Koordination der Ereignisse auf Teilen der Map, die natürlich maximal weit voneinander entfernt lagen und so durch hin- und herscrollen regelmässiges Maus-Gezerre verursachten. Der ständige Konflikt zwischen der Beherrschung des Details und der Kontrolle der Globalsituation - unter Zeitdruck, wohlgemerkt - verursachte bei ihm seit jeher Deo-Versagen, nervöses Fußwackeln und einen Dauerkrampf in beinahe jedem Gesichtsmuskel.

Der König seufzte als er ein weiteres Mal feststellen musste, daß all dies Dinge waren, die zu einem Echtzeitstrategiespiel gehörten wie Hüte und gehäkelte Klorollenmützen zu einem Sonntagsfahrer. Unterm Strich blieb schon wieder die Erkenntnis, daß er für dieses Genre einfach nicht gemacht ist. Der König seufzte erneut - schwerer als zuvor - und entfernte den dicken Brocken wieder aus seinem Heim. Ausserdem feuerte er den Ersatz-Torwächter.

Zumindest bis zum nächsten Urlaub seines Haupt-Wachmannes würde er von weiteren RTS-Experimenten verschont bleiben.


[+/-] show/hide

2 Comments:

Anonymous suicide said...

Ich glaube das Spiel an sich würde mir gut gefallen. Aber ich schrecke etwas vom WWII Szenario ab, da mich das nicht die Bohne interessiert.
Das letzte RTS das ich gespielt habe, war Warhammer und das hat mir gut gefallen. Aber die Demo anschauen halt ich für ne gute Idee, auch wenn 1,7GB mal wieder ein Haufen Holz ist.

10/07/2006 1:28 nachm.  
Anonymous blumentopferde said...

"Und nein, ich brauche seinen Ausweis nicht zu sehen."

Großartig. "Das sind nicht die Droiden, die wir suchen. Er kann passieren. Weiterfahren. Weiterfahren!" fehlte noch! ;-)

Also das WWII-Szenario schreckt mich noch nicht mal ab, weil ich mir noch gar nicht so viele WWII-Spiele, gleich welchen Genres, angetan habe bis jetzt. Aber Echtzeitstrategie liegt mir im Allgemeinen auch nicht allzusehr. Die große Ausnahme ist Star Wars Galactic Battlegrounds, das ich heute noch verschlinge, wegen des Star Wars-Szenarios. Und Star Wars Empire at War hab ich auch noch hier rumliegen.

10/07/2006 1:43 nachm.  

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