08 November 2006

Vier Fäuste gegen DDS

Shin Megami Tensei – Digital Devil Saga sollte eigentlich zuerst gar nicht in Europa erscheinen. Teil 1 hat es erst im Juli diesen Jahres zu uns geschafft – zum Vergleich: Release in den US im April 2005 und in Japan sogar im Juli 2004. Teil 2 soll aber wohl schon Anfang 2007 bei uns erhältlich sein. Wollens hoffen.

Zu Inhalt und Handlung des Spiels möchte ich hier nichts wiederholen, was man woanders bereits ausführlichst nachlesen kann. Hier gehts ausschliesslich um meiner Meinung nach gute und weniger gute Features des Spiels.

The Good

- das „press turn“ Battle-System. Bin ich vorher noch nicht mit in Berührung gekommen. Ansich eine feine Sache. Je nach dem, ob man eine Schwachstelle oder eine Stärke des Gegners trifft erhält die Gruppe zusätzliche Angriffe oder verliert Züge innerhalb der aktuellen Angriffsrunde. Kämpfe erhalten so etwas taktische Tiefe. Und man ist gezwungen, sich die Schwachstellen aller bisherigen Gegner zu merken. Gutes Gehirn-Jogging. Ohne J. Pilawa.

- Die Cut-Szenes sehen stellenweise sehr stylisch aus und direkt die erste bereitet den Spieler treffend darauf vor, was ihn später erwartet:

Rend!
Slaughter!
Devour your enemies!
There is no other way to survive.
You cannot escape your hunger, Warriors of Purgatory

- Ein ganz nettes Goodie ist, dass manche seiner Taten im ersten Teil direkte Auswirkungen auf den zweiten Teil haben werden, sofern man sein Savegame importiert. So können versteckte Gruppenmitglieder oder Austattungsgegenstände aktiviert werden. Nur doof, dass ich die PAL Version gespielt habe und jetzt warten muss, bis der zweite Teil hier rauskommt, um dieses Feature nutzen zu können. Ein Import in eine NTSC Version wird wohl nicht funktionieren.

- Zufallsbegegnungen können durch Items verhindert oder forciert werden. Dies ist einerseits sehr von Vorteil, wenn man sich kurz aufleveln will und andererseits wenn man bereits gespielte Dungeons noch mal durchlaufen muss, weil man jetzt den entsprechenden Schlüssel hat, um die vorher verschlossene Türe zu öffnen. Es sei dabei gesagt, dass dies nur notwendig ist, wenn man alles vom Spiel sehen möchte. Ein Durchspielen ist durchaus auch möglich, ohne jemals an eine bereits besuchte Stelle zurück zu müssen.

- Man beginnt das Spiel mit einer Gruppe von drei Charakteren. Zwei weitere stossen später hinzu, haben aber dann denselben Level wie alle anderen Charaktere auch. Das erspart einem nerviges Aufstufen der Neulinge. Auch wenn sich die Gruppe im Spielverlauf aufteilt, können die Abtrünnigen nach der Wiedervereinigung denselben Levelzuwachs aufweisen wie die gespielten Gruppenmitglieder. Und anders als bei z.B. FF kriegen nicht nur die in einem Kampf aktiv eingreifenden Mitglieder EP und AP, sondern die gesamte Gruppe. Was natürlich das Leveln sehr unkompliziert und schnell macht. Denn ums Leveln kommt man auch hier nicht herum, zumindest nicht wenn man die optionalen Gegner spielen will.


The Bad

- Was einem sofort auffällt, ist die fehlende Freiheit bei der Ausbildung seines Teams. Zur Erklärung: es wird unterschieden zwischen EP und AP (revolutionär, ich weiss). Die EP kann man aber lediglich bei seinem Helden selber vergeben, bei den Gruppenmitgliedern geschieht dies automatisch. Da man die Fähigkeitspunkte bei allen selber vergeben kann, könnte man zwar rein theoretisch trotzdem bestimmen, wer Magier, wer Unterstützer und wer Kämpfer wird. Nur macht es keinen Sinn, jemanden, der den Grossteil seiner Punkte automatisch in Stärke setzt, zum Magier zu machen. Für Neulinge vielleicht nicht schlecht, vom Spiel schon mal eine Vorgabe zu erhalten. Vier Fäuste ist aber gegen derartige Bevormundung des Spielers.

- Das oben erwähnte Kampfsystem kann aber auch gewaltig nerven, nämlich dann wenn der Gegner gnadenlos die eigenen Schwachstellen ausnutzt (wogegen man bis in ein hohes Level nichts ausrichten kann) oder einfach nur Criticals hinbekommt, die ebenfalls einen zusätzlichen Zug bedeuten. So kommt es, dass manche Gegner entweder sehr einfach sind, oder ohne weiteres die gesamte Party töten können, abhängig davon, wer den Kampf beginnt. Das sollte man noch mal überdenken.

- Die optionalen Bosse. Mal ganz davon absehen, dass man sie nur unter zu Hilfenahme von gamefaqs überhaupt finden kann, müssen sie vor Beendigung des Spiels besiegt werden. Will meinen, Endboss tot – Spiel vorbei. Ansich nicht weiter schlimm, wären sie nicht um Längen stärker als der eigentliche Endgegner. Wenn man also gegen die optionalen Bosse eine Chance haben will, muss man sich auf einem Level befinden, auf dem man den Spielendgegner im Vorbeigehen wegfrühstückt. Und das mindert die Befriedigung des Durchspielens der Hauptstoryline deutlich, weil sie sich irgendwie herabgesetzt anfühlt.

- Die Atmosphäre wirkt dunkler und erwachsener als in vielen anderen Spielen des Genres (FF, Kingdom Hearts, Dragon Quest etc.), super Sache das. Schön wäre aber gewesen, wenn man die zugehörige Story auch verstehen könnte. Nirvana? Beelzebub? Metatron? Cyber-Shamane? Angel? Bahnhof? Und was soll das mit diesen Matrix-like Sequenzen?

- Gegen Ende des Spiels (wiederum nur wenn man die opt. Bosse spielen will) wird eine Diversifikation der Charaktere hinfällig. Insofern lässt sich mein erster Kritikpunkt ein wenig entkräften. Zwar mit einem weitern Kritikpunkt ... aber na ja. Auf jedenfall gilt: will man komplett durchspielen, dann benötigen die Charaktere aus jeder der 3 Hauptausrichtungen Magier, Kämpfer, Supporter ziemlich hohe Skills, weswegen spätestens hier eine Spezialisierung keinen Sinn mehr macht.


The Fazit

Auch wenn es vielleicht anders rübergekommen ist, ich kann das Spiel durchaus empfehlen. Zwar wiegen die negativen Punkte ziemlich schwer, aber der Fakt, dass ich an die 60 Stunden in das Spiel gesteckt und wirklich jede noch so kleine Nebenquest erledigt habe beweist, dass zumindest ich darüber hinwegsehen konnte. Und ich kann es kaum erwarten den zweiten Teil zu spielen, vielleicht erschliesst sich mir die Story ja dann.

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

Bin auch gerade drauf und dran den ersten Teil durchzuspielen, wobei er mir bis jetzt sehr viel Spass bereitet hat. Die Endzeitatmosphäre finde ich sehr gut eingefangen und das Mastern der einzelnen Mantras auf einem Baum ist ebenfalls sehr gelungen.

11/12/2006 9:47 nachm.  

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